Chili-Saison 2019 – Die feurige Pracht auf der Fensterbank

Erste Schritte

Nachdem mir ein ehemaliger Arbeitskollege von seiner Chili-Gärtnerei vorgeschwärmt hatte, wollte ich unbedingt mehr über dieses Thema erfahren. Ich hörte mir die überaus interessante und informative Episode „Chilikultur“ vom CRE-Podcast an. Danach war mir klar: Auch wenn sich meine kulinarischen Gewohnheiten bisher eher in milden bis wenig scharfen Gefilden bewegt haben – ich muss meine eigenen Chilis anpflanzen.

Als erstes habe ich mir überlegt, was ich alles benötige. Ich habe Blogeinträge und Forenposts gelesen und mir von Bekannten Tipps geholt. Am Anfang kommt man mit:

  1. Ein paar Samen
  2. Wärme
  3. Feuchtigkeit
  4. Einem Substrat
  5. Licht

schon relativ weit. Also habe ich mich auf die Suche begeben und bin schnell fündig geworden.

Die Samen habe ich bei Semillas La Palma bestellt. Hierbei handelt es sich um ein Familienunternehmen auf Lanzarote, welches in einem technisch nicht ganz zeitgemäßen, aber trotzdem sympathischen Online-Shop hunderte verschiedener Chili-Samen zum Verkauf anbietet. Ich habe mich für folgende Sorten entschieden:

  • Aji Cristal
  • Habenero El Remo
  • Inca red drop
  • Jalapeño
  • Peruvian Purple
  • Piri-Piri

Jede Sorte kostet 2 Euro, zusätzlich kommen nochmal 2 Euro Versandkosten hinzu. Man überweist per Vorkasse, nach ein wenig Vertrauensvorschuss liegt nach ein paar Tagen ein Luftpolsterumschlag von der spanischen Post im Briefkasten.

Mit Maler-Krepp lassen sich die einmal geöffneten Tüten wieder Luftdicht verschließen.

Ausrüstung

Bevor es mit der Aussaat losgehen kann, müssen einige Dinge besorgt werden. Ich habe mich für ein beheizbaren Anzuchtkasten von der Firma Garland entschieden. Dieser Kasten ist von der Form her ideal für die Fensterbank und heizt kontinuierlich mit 13 Watt auf ca. 28°C - ein ideales Mikroklima für die kleinen Pflänzchen.

Als Substrat habe ich Torf-Quelltabletten von Dehner bestellt. Diese bestehen aus einer Mischung aus Torf und Kokosfasern und quellen bei Kontakt mit Wasser auf eine vielfache Größe auf. Sie liefern initial genügend Nährstoffe zur Keimung.

Da meine Fensterbank nach Westen gerichtet ist und tagsüber nur mittelmäßig viel Sonnenlicht einfällt, habe ich mich entschieden, den Lichtbedarf mit einer LED zu unterstützen. Hierfür habe ich die „OUBO 60cm LED Leuchtstoffröhre“ bestellt. Die Farbtemperatur ist kaltweiss 6500K bei 10W Leistung. Man liest verschiedene Angaben, welche Farbtemperatur die beste ist, ich habe es einfach mit dieser Variante versucht und ganz gute Ergebnisse erzielt. Um die LED-Leiste über den Gewächshäuschen in Position zu bringen, habe ich mir mit Autodesk Fusion 360 eine Ständerkonstruktion designt und mit dem 3D-Drucker ausgedruckt.

Als ich alles zusammen habe, ist es schon Ende Februar. Ich sollte langsam loslegen, je später man dran ist, desto mehr wertvolles Sommer-Sonnenlicht geht einem am Ende der Saison verloren.

Los geht’s!

Nachdem alles angeschafft und vorbereitet ist, wässere ich meine Quelltabletten und lege in jedes der grünen Häuschen zwei Tabletten. Beim Anzuchtkasten sind sieben Häuschen dabei, da ich jedoch nur sechs verschiedene Samensorten habe, lasse ich ein Häuschen weg. Mein Plan ist es, später aus jeder der jeweils drei Pflanzen pro Häuschen die stärkste auszuwählen. Mit dem Dymo beschrifte ich die Häuschen, um später noch zu wissen, um welche Sorte es sich handelt.

Auf der Fensterbank fangen bereits nach wenigen Tagen die ersten Keimlinge an zu sprießen. Durch die beheizte Bodenplatte entsteht in den Häuschen ein tropisches Klima und die Feuchtigkeit verdunstet schnell, deshalb gieße ich morgens und abends. Zur einfacheren Bewässerung habe ich mir eine Gloria Hobby 125 bestellt. Hierbei handelt es sich um einen Drucksprüher, mit welchem dank der einstellbaren Düse die perfekte Dosierung beim Gießen sehr gut gelingt.

Spargelzeit?

Ein Phänomen kann ich sehr schnell beobachten: Manche Pflanzen wachsen extrem lang und dünn. Solche Keimlinge werden im Hobbykreis auch liebevoll als „Spargel“ bezeichnet.
Wenn das Verhältnis von Wärme und Licht nicht passt, es der Pflanze also zu warm ist und sie zu wenig Licht hat, fängt sie an, wie verrückt zum Licht zu wachsen, um davon möglichst viel abzubekommen. Das Ergebnis sind milimeterdünne, aber 10 cm lange Stängel, die irgendwann einfach abknicken. Daraus kann keine kräftige und gesunde Pflanze mehr werden. Ich habe die Wärme per smarter Steckdose von Elgato verringert, indem ich nur stundenweise beheize. Dies hat schnell Abhilfe gebracht.

Ungefähr vier Wochen nach der Aussaat habe ich kleine, kräftige Pflänzchen, welche ich pikiere und in Anzuchttöpfe aus Zellulose verfrachte.

Pikieren

Bereits nach wenigen Tagen kann man beobachten, dass die Pflanzen ein dichtes Wurzelgeflecht bilden, welches sogar die Pflanzballen schon durchdringt. Beim Umsetzen in ein größeres Gefäß (circa vier Wochen nach Aussaat) ist es wichtig, möglichst viele Wurzeln mitzunehmen. Ich wähle jeweils die stärkere Pflanze aus und hebele sie mit einem Pikierstab (zur Not tut es aber auch eine kleine Gabel oder ein Schaschlikspieß) aus den Ballen, lege dabei möglichst viel Wurzelwerk frei und setze sie sofort in ihr neues Zuhause um. Bei der Erde habe ich keine Experimente gemacht und laut Tipp lieber ein paar Euro mehr ausgegeben. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Ab ins Freie

Von diesem Zeitpunkt an wachsen die Pflanzen fast explosionsartig, zum Teil mehrere Zentimeter am Tag. Ich habe die Töpfe immer noch in der Wohnung stehen und versuche, dass sie möglichst viel Sonnenlicht bekommen.

Wenn die Eisheiligen vorbei sind (Mitte Mai) und man sicher gehen kann, dass es nachts keine Temperaturen um den Gefrierpunkt mehr hat, kann man die Pflanzen langsam an den Balkon oder die Terrasse gewöhnen. Chili-Pflanzen mögen keine Temperaturen unter 10°C, sie stammen ja schließlich ursprünglich aus den Tropen. Wird es ihnen zu kalt, stellen sie das Wachstum ein und verkümmern. Dennoch ist es möglich, die Pflanzen an einem hellen und nicht zu kühlen Ort zu überwintern, denn die Pflanzengattung ist grundsätzlich mehrjährig.

Schritt für Schritt gewöhne ich meine Pflanzen an die Sonne, erst ein paar Stunden am Tag, dann den ganzen Tag, später dann dauerhaft. Leider ist mir in der Wohung auf dem Balkon nicht viel Platz vergönnt, sodass ich alle Pflanzen zusammen in einen Pflanzkübel verfrachten muss. Dass dieser hinten und vorne nicht reicht, wird schnell klar, denn die Pflanzen wachsen, wenn man sie 1x pro Woche düngt, wie verrückt.

Chilis sind Starkzehrer und benötigen somit sehr viel Nährstoffe, deshalb ist regelmäßiges Düngen notwendig. Ich habe Dünger für Tomatenpflanzen aus dem Baumarkt verwendet, wenn man es etwas professioneller angehen will, soll auch „Hakaphos Soft Spezial (rot)“ sehr gut sein.

Auf dem Balkon

Da mich die Euphorie so sehr gepackt hat, beheimate ich im Pflanzkübel gleichzeitig noch zwei Tomaten und zwei Physalis-Pflanzen. Man merkt deutlich, dass das für die Pflanzen eine Konkurrenzsituation ist. Jede der Pflanzen möchte möglichst viel Licht und sprießt deshalb in die Höhe. Das kann besonders die Physalis sehr gut und schon bald nimmt sie den Chilis die Sonne weg.

September – das Gartenjahr geht zu Ende

Der limitierende Faktor Platz sorgt dafür, dass meine Erträge in meinem ersten Chili-Jahr eher klein ausfallen. Die Piri-Piri wirft ca. 20-30 Früchte ab, sie sind blass gelb-grünlich und mittelmäßig scharf. Die Aji Cristal schafft ähnlich so viele, allerdings sind hier sogar schon rote Schoten dabei, welche auch mittelmäßig scharf sind, aber eine interessante fruchtige Note haben. Bei der Habenero gibts gerade mal eine handvoll Früchte als Ertrag. Die Habenero ist eine kleine, kräftige Pflanze, aber im Schatten der anderen hat sie keine große Chance. Verhältnismäßig ertragreich ist die Jalapeño – die Pflanze bildet viele große Früchte, welche sehr fleischig sind und einen sehr robusten Eindruck machen.

Es ist nun schon September, die Tage werden kürzer und die Sonne verliert an Kraft. Die Jalapeño mit ihren vielen grünen Früchten schafft es leider nicht mehr, diese über orange nach rot abreifen zu lassen. Beim Kochen hole ich mir immer wieder nach Bedarf frische Chilis von der Terrasse, aber nach ein paar Wochen tritt beim Wachstum scheinbar Stillstand ein. Deshalb entscheide ich mich, alle restlichen Chilis zu ernten und sauer einzulegen.

Auch wenn der Ertrag eher überschaubar war, Spaß gemacht hat es allemal. Und die Schärfe im Chili con Carne von der eigenen Schote hat schon etwas 🙂

Was habe ich gelernt?

  1. Eine große Rolle spielt der richtige Zeitpunkt, an dem man anfängt. Im Februar ist es noch sehr dunkel und selbst die beste Beleuchtung kann 10 Stunden Sonnenlicht einfach nicht ersetzen. Nächstes Jahr werde ich wohl erst im März anfangen, um Spargel und mickrige Pflänzchen zu vermeiden.
  2. Platz ist wichtig. Die Pflanzen kommen sich schnell ins Gehege und nehmen sich gegenseitig den Erdraum und vor allem auch die Sonne weg. Diese Konkurrenzsituation bringt für manche Pflanzen enormes Höhenwachstum, aber der Ertrag geht runter. Die Pflanzen-WG mit Tomate und Physalis war eine nette Idee, ist aber vollkommen nach hinten losgegangen.
  3. Gärtnerei macht Spaß und ist eine gute Gelegenheit, vom Alltagsstress abzuschalten.

Danke an Alex für viele wertvolle Tipps rund um das Thema Chilis. Nach unserem Umzug steht mir ein Stück Garten und somit mehr Platz zur Verfügung — ich freue mich auf die Saison 2020!

Stay tuned!

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